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Kunstprojekt im Zoo

  • Kreative Bilder und
  • Dioramen entstanden im Projekt, 
  • zudem wurde ein Spendenscheck
  • überreicht.

Bunte Regenwald-Dioramen im Zoo

Juni 2015

Der Regenwald, Inklusion und Kunst – das alles ist Teil des Projekts „zoo + more“, das in Zusammenarbeit des Zoos Osnabrück, der Heilpädagogischen Hilfe Osnabrück und dem Berufsbildungswerk Osnabrück-Land e.V. entstand und in den vergangenen zwei Wochen durchgeführt wurde. Zehn Teilnehmer des KunstContainers der Heilpädagogischen Hilfe Osnabrück (HHO) und 25 Schüler der Fachschule Heilerziehungspflege des Berufsbildungswerkes Osnabrücker Land e.V. (bbw) nahmen an diesem Projekt teil – die Schüler in zwei Gruppen geteilt jeweils eine Woche, die Menschen mit Behinderung beide Wochen. Im Rahmen des von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderten Projekts „Affenstarke Regenwaldbotschafter“ wurden die Teilnehmer zunächst zu Regenwaldbotschaftern ausgebildet. Im Zoo lernten sie aus nächster Nähe Regenwaldbewohner wie Gibbons, Elefanten und Tapire kennen. So wurden Aufbau und Zerstörung der Regenwälder greifbarer und verständlicher. Besucht wurde natürlich auch Orang-Utan Buschi, denn seine Artgenossen auf Sumatra und Borneo sind besonders gefährdet. Die Teilnehmer bekamen außerdem „Regenwaldbotschafter-Sets“, mit denen sie zu Hause den Regenwald schützen können – zum Beispiel mit einem Stoffbeutel als Ersatz für die vielen Plastiktüten beim Einkaufen. Der Regenwald mit seinen Besonderheiten ist an sich bereits ein komplexes Themenfeld. Aber auch die Bedrohung von Regenwaldtieren und indigenen Völkern wurde in dem Projekt angesprochen. „Kein einfaches Thema“, erklärt Zoopädagogin Renate Unland. „Viele Teilnehmer, gleich ob mit oder ohne Behinderung, waren wirklich betroffen von dem Thema Regenwaldzerstörung.“ An drei Tagen in der Woche besuchte die Gruppe den Zoo, an den anderen beiden Tagen wurden die Teilnehmer kreativ. Mit Unterstützung von Christoph Peter Seidel vom KunstContainer der HHO gestalteten sie in fünf Kleingruppen 150 mal 50 Zentimeter große Dioramen, also Schaukästen, in denen mit plastischen Gegenständen der Ausschnitt einer Landschaft dargestellt wird. In den Regenwald-Dioramen verbauten die Teilnehmer verschiedenste Alltagsgegenstände und Bastelmaterialien. „Es ist unglaublich, was für tolle Schaukästen entstanden sind. Zum Teil interpretierten die Teilnehmer den Regenwald völlig neu – beispielsweise als Wohnzimmer“, freut sich Seidel. Die Reflexion der Inhalte sei wichtig, erklärt er weiter, denn nur so könne man sie richtig verarbeiten. Zoopräsident Reinhard Sliwka ist begeistert von dem Projekt. „Umwelt- und besonders der Regenwaldschutz betrifft jeden. Niemand soll ausgeschlossen werden. Wir wollen alle Menschen unabhängig vom jeweiligen Bildungshintergrund oder von Handicaps beteiligen“, so Sliwka.

Doppelt lernen

Die Schülerinnen und Schüler der Klasse 24 der Heilerziehungspflege des bbw lernten in diesem Projekt viel über den Regenwald und seine Bewohner. „Ganz nebenbei lernten sie aber auch Entscheidendes über die Gestaltung der Beziehungen mit Menschen mit Behinderung auf Augenhöhe, das heißt jeder lernt von jedem“, erklärt Schulleiterin Jutta Schlochtermeyer. Und das sei für die Schüler in diesem Projekt sehr wichtig gewesen. „Sie erleben besonders, von Menschen mit Behinderung zu lernen“, so Schlochtermeyer weiter. Zoopädagogin Unland schmunzelt: „Interessant war, dass meist die Schüler zurückhaltender waren als die Menschen mit Behinderung.“ Ziel des Projekts war es, Wissen über den Regenwald sowie künstlerische Strategien zu Lösung von Gestaltungsaufgaben zu vermitteln und einen Dialog zwischen Menschen mit und ohne Behinderung herzustellen – „Und dieses Ziel haben wir erreicht“, strahlt Christoph Peter Seidel. „Das Projekt kann ich mit einem Wort zusammenfassen: gelungen.“ Als Überraschung brachten die Teilnehmer noch einen Spendenscheck mit: Gemeinsam spendeten sie 150 Euro an die Aktion „Wir für Buschi“, mit der Geld für den Umbau des Menschenaffenhauses gesammelt wird.

Wissenswertes zum KunstContainer der HHO
„Die Welt der Kunst ist so vielfältig, wie die Menschen, die sie gestalten“, so lautet das Motto des KunstContainers der Heilpädagogischen Hilfe Osnabrück (HHO). Seit nunmehr acht Jahren besteht der „KunstContainer“ als offenes Angebot der Osnabrücker Werkstätten am Standort Osnabrück-Sutthausen unter der kunstpädagogischen Leitung von Christoph P. Seidel. Im KunstContainer werden Kreativität und Selbstbestimmung gelebt. Rund 30 Beschäftigte sind jede Woche vor Ort, um an eigenen Werken zu arbeiten – so vielseitig, lebendig und authentisch wie sie selbst. Inzwischen hat sich die Arbeit des KunstContainers auch überregional als künstlerisches Vermittlungsangebot etabliert.