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Paralympics-Teilnehmer

  • Contergangeschädigter Leistungs-
  • sporter Josef Giesen gewann 2010 
  • bei den Paralympics die Bronze-
  • medaille im Biathlon

"Ich mach das Beste draus"

Juni 2014

„Es ist wichtig, dass ihr euch ein Ziel setzt“, appellierte Josef Giesen an die Schüler vor ihm. Und wenn er das sagt, hat das Gewicht: Seine verkümmerten Arme hielten den Contergangeschädigten nicht davon ab, Leistungssport zu betreiben und 2010 bei den Paralympics in Vancouver sogar die Bronzemedaille im Biathlon zu gewinnen. Giesen schilderte seine außergewöhnliche Sportlerkarriere am Mittwoch bei einem Projekttag des Osnabrücker Graf-Stauffenberg-Gymnasiums (GSG) und des Berufsbildungswerkes Osnabrücker Land (BBW).
Mit der Aktion bereiteten sich die Neuntklässler vom GSG und die angehenden Heilerziehungspfleger des BBW auf den inklusiven „Sportivationstag“ vor, wo sie als Helfer zum Einsatz kommen werden. Bei dem Sportfest am 24. September auf der Illoshöhe können Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderung ihr Sportabzeichen machen.
Mit Giesen erlebten die Jugendlichen das Paradebeispiel eines Menschen, der trotz widriger Umstände seine Ziele verfolgt. Seine Behinderung wurde durch das Medikament Contergan verursacht, das seine Mutter während ihrer Schwangerschaft einnahm. „Meine Mutter nahm nur eine einzige Pille“, sagte der Mann aus dem emsländischen Herzlake ohne jede Bitterkeit. „Ich mache das Beste draus.“
Erst im Alter von 34 Jahren stieg Giesen in den Leistungssport ein, begann als Brust- und Rückenschwimmer. Über das Skifahren fand er den Weg zum Biathlon. Dabei kam ihm seine Ausbildung zum technischen Zeichner zugute. Mit einem Büchsenmacher entwarf er seine eigene Wettkampfwaffe. Über ein mit seinem Arm verbundenes Band kann er den Abzug betätigen. Die Schüler folgten Giesens Vortrag interessiert und stellten Fragen zum Behindertensport.
„Wir wollen mit dem Projekttag Berührungsängste abbauen“, erklärte Jutta Schlochtermeyer, Vorsitzende des Fachverbands Behindertensport im Stadtsportbund Osnabrück (SSB). Damit die Schüler sich in die Lebenswelt von Menschen mit Behinderungen einfühlen konnten, standen auch Übungen wie Rollstuhlfahren auf dem Programm.